Von EM bis Oktoberfest: So lässt sich die Sicherheit auf Großevents gewährleisten
18.06.2024 Branchenartikel Perimeter Protection

Von EM bis Oktoberfest: So lässt sich die Sicherheit auf Großevents gewährleisten

Mit den Sommermonaten beginnt die Saison der Fußballturniere, Festivals und Volksfeste. Diese Mega-Events auf der grünen Wiese, in Stadien oder Plätzen in der Innenstadt, ziehen Zehntausende oder sogar Hunderttausende Besucher an. Jeder Veranstaltungsort stellt dabei ganz besondere Anforderungen an den Perimeterschutz.

Zuschauer in einem Fußballstadium Die Sicherheitsplanung für Großveranstaltungen erfordert frühzeitige Risikoanalysen und die Berücksichtigung von Besucherströmen, Verkehr, Wetter und Umgebung

Perimeterschutz bei Großveranstaltungen

Für viele Menschen sind Events wie die Fußball-Europameisterschaft, das Oktoberfest oder Rock am Ring ihr persönliches Highlight im Sommerkalender. Ungern möchte man sich dabei von Gedanken an Massenpanik, Kriminalität oder gar Terroranschlägen das Erlebnis trüben lassen. Bei der Planung dieser Veranstaltung dürfen jene Aspekte allerdings nicht verdrängt werden. Damit die Besucher ein tolles Erlebnis genießen können, ist im Vorfeld eine weitreichende Sicherheitsplanung unverzichtbar. 

„Im Sinne der Resilienz ist eine Vielzahl von Gefahren und Bedrohungsszenarien im Vorfeld der Veranstaltung zu berücksichtigen. Es gilt der einfache Grundsatz: Vorsorge ist besser als Nachsorge“, bringt es Tobias Stamper, Area Director West, beim Sicherheitsdienstleister Securitas Deutschland, auf den Punkt. Bei der Planung stehen insbesondere Evakuierungsmaßnahmen, die Gestaltung von Fluchtwegen und Sammelplätzen, Zugänge für Rettungsfahrzeuge und die Feuerwehr im Fokus. 

Ein umfassendes Sicherheitskonzept deckt zudem eine effiziente Verkehrsführung zur und um den Veranstaltungsort sowie die Einhaltung lokaler Sicherheitsauflagen ab. Denn schon von Gesetzeswegen ist es laut Stamper vorgeschrieben, dass die jeweils zuständige kommunale Aufsichtsbehörde bei der Sicherheitsplanung für Großveranstaltungen mit einzubeziehen ist. Eine frühzeitige Abstimmung ist hier entscheidend. Konsultiert werden sollten oder müssen häufig auch die Polizei und die Feuerwehr. Fragen der öffentlichen Sicherheit, der Verkehrsführung und des Brandschutzes sowie der Notfallvorsorge werden mit den behördlichen Ansprechpartnern definiert und abgestimmt.

Nicht nur die Veranstaltungsorte selbst stehen dabei auf der Agenda: Hotels und Unterkünfte der Spieler, Künstler und Athleten oder Bahnhöfe und Parkplätze müssen in die ganzheitliche Sicherheitsplanung einfließen. Schon am Beispiel der Parkplätze zeigt sich nach den Worten Stamper, wie komplex die Anforderungen dabei sein können: „Bei der Absicherung von Parkraum müssen zugleich Sicherheitsaspekte sowie organisatorische und wirtschaftliche Interessen berücksichtigt werden. Denn Parkplätze sind bei vielen Großveranstaltungen ein rares Gut. Sie bilden eine zusätzliche Einnahmequelle und werden etwa im Rahmen von VIP-Paketen mitverkauft.“ Mit Parkraumsicherheit sei darüber hinaus nicht nur der Schutz der abgestellten Fahrzeuge gemeint: Anfahrts- und Fluchtwege müssen zwingend freigehalten sowie umliegende Privatparkplätze und Sperrflächen vor Wildparkern geschützt werden. 

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Kombination aus qualifiziertem Personal und technischen Lösungen

All diese Aspekte werden in der Risikoanalyse zusammengefasst, die die Planungsgrundlage bildet für den Einsatz von moderner Sicherheitstechnik und effizienten Kommunikationssysteme für Sicherheitskräfte. Diese Technologien stehen im Mittelpunkt der Fachmesse Perimeter Protection in Nürnberg. Sie helfen, potenzielle Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und schnell darauf zu reagieren. „Je nach Veranstaltung braucht es etwa qualifiziertes Personal in ausreichender Anzahl. Häufig werden die für eine bestimmte Großveranstaltung eingesetzten Kräfte vorab noch einmal veranstaltungsspezifisch geschult. Zugleich spielen technische Sicherheitslösungen eine zunehmend wichtige Rolle. Dazu zählen etwa Videoüberwachung, Sensorik zum Messen von Besucherströmen, Brandschutztechnik, elektronische Zugangssysteme und Anlagen für den Perimeterschutz“, so Stamper. Im Parkraum wiederum können digitale und analoge Parkleitsysteme sowie eine videogestützte Parkraumüberwachung zum Einsatz kommen.

Auch Barrieretechnik wird grundsätzlich im Rahmen der Risikoanalyse und Maßnahmenplanung in Betracht gezogen. Zur Abwehr von Fahrzeugen sind zum Beispiel schwere Barrieren seit Jahren vielerorts behördlich vorgeschrieben. „Die Gefahr von Anschlagsszenarien, bei denen Fahrzeuge als Waffe eingesetzt und gezielt in Menschenmengen gesteuert werden, wird durch den Einsatz von Barrieretechnik gemindert“, sagt Stamper. Auch das Unfallrisiko, etwa an straßenseitigen Zugängen, kann so reduziert werden. 

Wie der Sicherheitsexperte erklärt, kommt es beim Einsatz von Barrieretechnik darauf an, dass Laufwege kurz gehalten und Möglichkeiten zur Evakuierung eindeutig gekennzeichnet sind. Zur Lenkung von Besucherströmen, der Sicherung von zutrittsbeschränkten Bereichen oder zur Trennung von bestimmten Besuchergruppen können eine Vielzahl verschiedener Barriereformen zum Einsatz kommen. Abhängig von den Erfordernissen vor Ort werden beispielsweise Absperrgitter, Zäune und mobile Sichtschutzwände in das Sicherheitskonzept integriert. „Alles, was das Sicherheitsempfinden und folglich das Verhalten der Teilnehmenden positiv beeinflusst, trägt zur Steigerung der Sicherheit insgesamt bei“, sagt Stamper. „Konkret bedeutet das für Sicherheitsverantwortliche, einen unmissverständlichen Crowdmanagement-Plan zu entwickeln, eingesetztes Personal hinreichend zu schulen und Prozesse so effizient wie möglich zu gestalten. Um die Effizienz, Besucherfreundlichkeit und ein höchstmögliches Sicherheitsniveau bei den Einlasskontrollen in Einklang zu bringen, sind sachgerechte Lösungen gefragt. Wo immer möglich, müssen Wartezeiten reduziert und Engpässe vermieden werden.“

Abhängig von den individuellen Anforderungen und der Festlegung verschiedener Sicherheitszonen sollten auf der Checkliste für den Perimeterschutz unter anderem folgende Technologie nicht fehlen:

  • Check-in-Kioske können Ausweisdokumente auslesen und Bilder der zu registrierenden Personen erstellen, um diese mit gespeicherten Gästelistendaten abzugleichen, und auf Grundlage dessen vollautomatisch Besucherausweise ausstellen.
  • RFID-Tags (Radio-Frequency Identificiation), die etwa in Armbändern am Körper getragen werden, dienen der Identifizierung von Personen und zur Überwachung des Zutritts.
  • Mittels biometrischer Authentifizierungssysteme werden Personen anhand von Fingerabdrücken, Gesichtszügen oder ihrer Augen (Iris-Scan) identifiziert. Auch Venenscanner mit Nahinfrarotsensor können als kontaktlose Alternative zum Einsatz kommen.
  • Fest verbaute, mobile und zum Teil auch drohnengestützte Videoüberwachung sorgt für permanenten Überblick des Perimeters und neuralgischer Punkte.
  • LiDAR-Sensoren (Light Detection and Ranging) fertigen einen dreidimensionalen Laserscan des Veranstaltungsraumes an, um Besucherströme, verdächtige Verhaltensweisen und die Konzentration von Menschen in der Menge erfassen zu können.

Die Organisation von Großveranstaltungen geht mit einer großen Verantwortung für die Sicherheit der Besucher einher. Sie erfordert eine umfassende und ganzheitliche Sicherheitsplanung, Know-how und moderne Sicherheitstechnik. Nur so kann gewährleistet werden, dass Besucher, Sportler, Künstler und Mitarbeiter ein sicheres und unvergessliches Erlebnis haben.

Autor

Alexander Stark

Alexander Stark

Freiberuflicher Journalist