Ob ein Notfall weitreichende Folgen hat, entscheidet sich lange vor dem eigentlichen Ereignis – in der Risikoanalyse, in der Rollenverteilung mit klar definierten Zuständigkeiten und in der technischen Vernetzung. Gerade bei kritischen Infrastrukturen und komplexen Standorten reichen Einzelmaßnahmen nicht aus. Gefragt ist ein ganzheitlicher Ansatz, ein Krisen- und Notfallmanagement, das physische Sicherheit, IT und Organisation miteinander verbindet und auch unter Stress belastbar bleibt.
„Wichtig ist die Erfassung aller möglichen Risiken auf Basis des Allgefahrenansatzes. Diese Risiken sind dann zu gewichten und im Sicherheitskonzept durch geeignete Maßnahmen zu adressieren, um sowohl die Eintrittswahrscheinlichkeit als auch das Schadensausmaß entsprechend dem Ranking zu begrenzen,“ beschreibt Wilfried Joswig vom Verband für Sicherheitstechnik e. V. Ein Risikomanagement – also der systematische Prozess der Identifikation, Analyse, Bewertung, Bewältigung und Überwachung von Risiken, um die Existenz und den Erfolg eines Unternehmens zu sichern –– übersetzt mögliche Krisenszenarien in konkrete Abläufe: Wer schnell reagieren will, muss die Risiken vorher kennen, optimal bewerten und organisatorisch beherrschbar machen.
Was ein belastbares Konzept ausmacht
So unterschiedlich Gebäude, Nutzungen und Betriebsabläufe sind, so individuell muss auch die Notfallplanung ausfallen. „Die Anforderungen variieren je nach Gebäudetyp deutlich – etwa bei Schulen, Bürogebäuden, Kliniken oder Industrieanlagen – und werden daher individuell und nutzungsbezogen definiert“, sagt Stefan Pusch, Strategischer Vertrieb bei Securiton Deutschland. Genau deshalb braucht es eine Notfallplanung, die passgenau auf den jeweiligen Standort zugeschnitten ist. „Es genügt also nicht, den Notfallplan eines anderen Standorts zu übernehmen“, warnt Joswig und verweist auf einschlägige Vorschriften und Richtlinien, die bei der Erstellung eine wichtige Orientierung bieten können.
Ein funktionierendes Räumungskonzept berücksichtigt beispielsweise die architektonische Struktur, die spezifische Nutzung des Gebäudes sowie besondere Gefährdungslagen. Ebenso fließen Aspekte wie unterschiedliche Personengruppen, die Wegeführung, Sammelbereiche und die passende Alarmierungsstrategie ein.
Damit aus Planung Handlungsfähigkeit wird, darf ein Notfallplan nicht auf dem Papier bleiben. Er muss regelmäßig überprüft, geübt und ausgewertet werden. „Nur wenn Abläufe sitzen, bleibt die Situation geordnet“, bringt es Pusch auf den Punkt. Tests, Audits und Übungen zeigen, wo nachgeschärft werden muss. „Besondere Beachtung erfordert dabei die Rollenverteilung und die damit verbundenen Kompetenzen der Krisenmanager“, sagt Joswig.
Für KRITIS-Standorte gelten darüber hinaus besondere Anforderungen. Betriebsausfälle können nicht nur finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen, sondern auch unmittelbare Folgen für Versorgungssicherheit und die öffentliche Ordnung haben. „KRITIS Betreiber stehen vor hohen Anforderungen an Compliance, Dokumentation und Nachweisbarkeit. Ein strukturiertes, revisionssicheres Vorgehen ist daher unerlässlich,“ betont Benjamin Körner, Manager Strategic Accounts und A&Es DACH bei Axis Communications.


