Mit dem KRITIS-Dachgesetz rückt integrierter Perimeterschutz noch stärker in den Fokus von Unternehmen, Behörden und Betreibern kritischer Infrastrukturen. Die Vorgaben folgen einem umfassenden All-Gefahren-Ansatz: Naturkatastrophen, Sabotage, menschliches Versagen, terroristische Anschläge und andere sicherheitsrelevante Ereignisse sollen besser abgewehrt und ihre Folgen wirksamer begrenzt werden.
Für Betreiber kritischer Infrastrukturen bedeutet das vor allem: Bestehende Sicherheitskonzepte müssen überprüft und technische Schutzmaßnahmen neu bewertet werden. Dem physischen Perimeterschutz kommt dabei eine zentrale Rolle zu – und der beginnt am Zaun.
Der Zaun als sichtbare Grenze
Zäune sind weit mehr als bauliche Abgrenzungen. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil ganzheitlicher Sicherheitskonzepte. Ihre Grundfunktion besteht zunächst darin, unbefugtes Betreten zu verhindern. Vor dem Hintergrund des KRITIS-Dachgesetzes rücken jedoch auch Aspekte wie Demontagesicherheit, Widerstandsfähigkeit und die Einbindung weiterer Komponenten des Perimeterschutzes in den Fokus, etwa von Zufahrten, Toren, Sensoren und Kameras. „Ein handelsüblicher Zaun bleibt zunächst einmal ein handelsüblicher Zaun“, bringt es Claus Heidrich, Leiter Marketing und Vertrieb beim Zaun- und Tor-Spezialisten Berlemann, auf den Punkt. „Die tatsächlichen Schwachstellen ergeben sich immer aus dem konkreten Schutzbedarf und den jeweiligen Angriffsszenarien.“
Mit steigenden Sicherheitsanforderungen wächst daher die technische Komplexität des Zaunbaus. Gerade bei kritischen Infrastrukturen sollten Betreiber konsequent auf Qualität, Ausführung und Wartung der eingesetzten Systeme achten. „Im Ernstfall zählt nicht die optische Wirkung eines Zauns, sondern seine konstruktive und materialtechnische Belastbarkeit“, sagt Heidrich.
Entscheidend sind nach seinen Worten daher auch die Materialstärke der Pfosten, eingesetzte Befestigungssysteme, ausreichende Drahtstärken und korrosionsbeständige Beschichtungen: „Ein Zaun muss über viele Jahre hinweg zuverlässig funktionieren, auch unter Witterungseinflüssen oder bei erhöhten Sicherheitsanforderungen.“
Auf die Verbindung kommt es an
Kai-Uwe Grögor, Geschäftsführer der Gütegemeinschaft Metallzauntechnik e.V., ordnet die Frage aus Sicht der Gütesicherung ein und verweist darauf, dass im Bereich moderner Zaunsysteme Doppelstabmatten dominieren. Wichtiger als der Zauntyp ist jedoch nach seiner Auffassung die Qualität von Details wie Verbindungen, Befestigungen und Schweißpunkten. Gerade diese Verbindungen sind sicherheitskritisch: Schweißpunkte sowie die Befestigung der Zaunelemente an den Pfosten bestimmen maßgeblich die Widerstandsfähigkeit der Anlage.
„Minderwertige oder zu schwach ausgeführte Schweißverbindungen können unter Belastung schnell zum Schwachpunkt werden“, warnt auch Heidrich. Stabgittermatten, die aus rohem Draht geschweißt werden, weisen dabei nach seinen Angaben grundsätzlich eine höhere Stabilität auf als Matten aus vorverzinktem Draht.
Hochwertige Klemm- oder Abdeckleisten, stabile Verschraubungen und manipulationshemmende Befestigungen schaffen zusätzliche Sicherheit, betont Heidrich. „Befestigungssysteme spielen gerade im Hochsicherheitsbereich eine zentrale Rolle. Denn häufig erfolgen Angriffe nicht direkt auf die Matte selbst, sondern auf die Verbindung zwischen Matte und Pfosten“, führt Heidrich aus.
Eine Grundlage für die Bewertung der Montage von Zaunsystemen bietet die RAL-Güteordnung. Das RAL-GZ-602-Siegel dient als Orientierung dafür, dass Zaunperimeter dem Stand der Technik entsprechen. „Die Güteordnung beschreibt, wie Metallzäune nach Auffassung von RAL beziehungsweise nach unseren Qualitätsanforderungen gebaut werden sollen. Für Planer ist das ein hilfreicher Orientierungspunkt, weil sie damit ein gewisses Qualitätsversprechen erhalten“, sagt Grögor.
Vom Zaun zur Sicherheitslösung
Damit Perimeterschutz seine volle Schutzwirkung entfalten kann, müssen neben dem Zaun auch angrenzende Sicherheitskomponenten frühzeitig mitgeplant werden. Aus Sicht von Grögor und Heidrich zählen dazu etwa zusätzliche Maßnahmen gegen das Unterkriechen oder Untergraben von Zaunanlagen. So können unterhalb der Elemente Betonfundamente oder Betonplatten installiert werden, um ein Überwinden unter der Zaunlinie zu verhindern.
Zum Schutz vor Übersteigen eignen sich abweisende Elemente, die nach innen, nach außen oder beidseitig geneigt am oberen Abschluss der Zaunanlage montiert werden. In diese Ausleger lassen sich zusätzliche Sicherungselemente wie Stacheldraht oder Sperrdrahtrollen (NATO-Draht) integrieren. Dadurch wird das Überklettern deutlich erschwert.
Ein weiterer Ansatz liegt in der Konstruktion der Zaunelemente selbst. „Statt klassischer Doppelstabmatten können engere Maschenweiten eingesetzt werden. Sitzen die Stäbe dichter beieinander, fehlen Angriffspunkte für Hände und Füße. Das erschwert das Hochklettern erheblich; ohne Hilfsmittel wie eine Leiter lässt sich eine solche Anlage deutlich schwerer überwinden“, erläutert Grögor.
Auch eine Demontage von Zaunmatten, um mit größerem Gerät einzudringen, lässt sich nach Angaben von Heidrich durch Einweg-Sicherheitsschrauben wirksam erschweren.
Seine volle Wirksamkeit entfaltet Perimeterschutz jedoch erst im Zusammenspiel mit elektronischen Komponenten. Zaundetektionssysteme erweitern die physische Barriere um eine entscheidende Funktion: Manipulationen oder Überwindungsversuche werden nicht nur unmittelbar erkannt, sondern auch direkt an den Betreiber gemeldet. So lassen sich Gegenmaßnahmen ohne Zeitverlust einleiten. „Solche Systeme werden künftig noch stärker in den Zaunbau einbezogen werden – etwa über Partnerschaften – weil die Anforderungen an die Sicherheit weiter steigen“, so Grögor.
Gesamtsystem mit Plan
Auch wenn sich viele dieser Schutzmaßnahmen nachrüsten lassen, sollte wirksamer Perimeterschutz idealerweise bereits in der frühen Planungsphase mitgedacht werden. Denn der Zaun darf nicht isoliert betrachtet werden. Grögor empfiehlt, den Perimeterschutz konsequent als Gesamtsystem zu planen: „Schwachstellen entstehen häufig an den Übergängen. Der beste Zaun ist nutzlos, wenn sich daneben eine Schranke befindet, die leicht überwunden werden kann.“
Wichtig ist hier die frühzeitige Abstimmung aller Komponenten und Gewerke. Perimeterschutz entsteht nicht erst am Ende eines Bauprojekts, wenn der Zaun gesetzt wird. Müssen Detektionstechnik integriert, Kabel verlegt oder Schnittstellen zu Toren, Schranken und Zugangssystemen geschaffen werden, hat das unmittelbare Auswirkungen auf Planung, Tiefbau und Montageabläufe. Perimeterschutz sollte deshalb von Beginn an Teil der Gesamtplanung sein.
Heidrich knüpft daran aus Sicht eines Systemanbieters an. Gerade bei kritischen Infrastrukturen greift eine rein bauliche Betrachtung deshalb zu kurz. „KRITIS-Anlagen benötigen keine Standardlösung von der Stange, sondern ein individuell geplantes Sicherheitskonzept“, betont Heidrich. Entscheidend ist, welche Risiken am jeweiligen Standort bestehen, welche Zutritts- und Zufahrtswege gesichert werden müssen und wie früh ein unbefugter Zugriff erkannt werden soll. Erst aus dieser Analyse ergibt sich, welche Zaunhöhe, welche Tor- und Zugangslösungen sowie welche Detektions- und Überwachungstechnik sinnvoll sind.
Aus Sicht von Heidrich wandelt sich damit auch das Selbstverständnis des Zaunbaus. Die Branche versteht sich zunehmend nicht mehr nur als Anbieter mechanischer Barrieren, sondern als Teil vernetzter Sicherheitsarchitekturen. „Wir gehen davon aus, dass sich der Zaunbau weiterentwickeln wird. Die Systeme werden vielfältiger und komplexer. Gerade die Verbindung mechanischer Systeme mit elektronischen Detektionssystemen sowie die Vernetzung von Zugangs- und Zufahrtssystemen werden das Tätigkeitsfeld des Zaunbauers verändern“, sagt Heidrich.

